Sie hiess Maria

Ich wohnte in einem kleinen Dorf in Mittelitalien, wo sich die Einwohner in der Hauptsache vom landwirtschaftlichen Anbau ernährten. Wir beschäftigten uns vorwiegend mit Oliven und die Verhältnisse in unserem Ort waren eher bescheiden. Der Krieg lag in etwa 15 Jahre zurück, doch wenn man unser Dorf so betrachtete, so erinnerte es an einen Trümmerhaufen, obschon unser Ort keine Kampfhandlung gesehen hatte. Damals war ich Anfang 20 und ich hatte beschlossen dieses Nest zu verlassen, sobald sich mir eine Gelegenheit bot. Mein Ziel war die grosse Welt und ich träumte von einem Leben in Rom, Mailand oder Neapel.

Ich lebte damals bei meinen Grosseltern, was verschiedene Gründe hatte. Meine Mutter war bei der Geburt meiner Schwester verstorben und mein Vater kehrte nicht aus dem Krieg zurück. So fristete ich mein Dasein auf dem ärmlichen Hof meiner Grosseltern gemeinsam mit meiner Schwester, welche zu dieser Zeit etwa 15 Jahre alt war.

Vom Aussehen her war ich wohl ein typischer Italiener. Meine Haare waren pechschwarz und mit kräftigen Locken durchwoben. Meine Statue war schlank und ich würde sagen, dass ich von mittelgrosser Gestalt war. Mein Aussehen würde man wohl in die Rubrik "netter Bursche" einordnen, denn alle Mädchen meines Alters hatten anscheinend eine Schwäche für mich. Es gab aber im Ort eigentlich keine, welche mir so recht gefiel. Ich hatte zwar schon im Stall oder im Sommer auch draussen erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gesammelt - doch eigentlich war ich ein junger und unerfahrener Mann.

Die einzige Frau des Ortes, die mich wirklich interessierte hiess Maria und wohnte in einem kleinen Haus, welches direkt neben unserem Stall stand. Sie war vor etwa einem halben Jahr dort eingezogen und hatte das Haus von ihrer Grossmutter geerbt. Maria passte so garnicht in unser Nest, weshalb auch niemand aus unserem Ort so rechten Kontakt zu ihr aufnahm. Es hiess, sie hätte vorher im Hafenviertel von Genua gelebt und allerhand wilde Geschichten kursierten über sie...... Vor allem die Männer erzählten sich einiges über die wilde Maria und die Frauen unseres Dorfes schauten sie stets missgünstig an. Ich hingegen fand, dass sie eine sehr nette Frau war. Sie grüsste mich stets freundlich und war (für meinen Geschmack) eine echte Schönheit. Ihre Haare waren braun wie Kastanien, ihr Gesicht wunderschön und ihre Figur raubte mir stets den Atem. Abends beobachtete ich oft ihr kleines Haus, welches sich genau im Blickwinkel des Fensters meines Zimmers befand. Leider konnte ich nie etwas näheres sehen, da die Vorhänge stets zugezogen waren, wenn es Abend wurde....

Oft hatte ich mich gefragt, warum man aus einer grossen Stadt in solch ein erbärmliches Dorf zog. Und gerade eine Frau wie Maria, die ich übrigens auf Mitte 30 schätzte, war doch wie geschaffen für das Leben in einer grossen Stadt. Ich verstand nicht, was diese Schönheit in unserer ländlichen Provinz suchte.

Eines Morgens, im Sommer, wurde ich relativ früh wach. Es mag vielleicht 6.00 Uhr in der Frühe gewesen sein und die Sonne suchte sich langsam ihren Weg um unser Dorf auch an diesem Tag wieder zu überstrahlen. Im Hochsommer war es schon morgens recht heiss und im Verlauf des Tages wurde es oft unerträglich draussen. So blickte ich aus meinem Fenster und beobachtete, dass Maria ihr Haus verliess. Sie trug ein leichtes Sommerkleid und hatte eine Tasche in ihrer rechten Hand. Es war eigentlich keine richtige Tasche, sondern mehr eine Art geflochtener Korb. In diesem Moment jedenfalls fragte ich mich, wohin sie wohl gehen wollte. Da wir für gewöhnlich erst gegen 8.00 Uhr das Frühstück nahmen beschloss ich meine Beobachtung weiter fortzusetzen.

Nach gut und gerne einer halben Stunde sah ich, wie die schöne Maria sich wieder auf ihr Haus hinzu bewegte. Die Tasche noch immer in der Hand und weiterhin in ihrem Sommerkleid schlenderte sie auf das kleine Haus nebenan zu und verschwand anschliessend darin. Da mich interessierte, wohin sie so früh am Morgen schon ging, beschloss ich am nächsten Tag widerrum früh meinen Beobachtungsposten zu beziehen. Auch am nächsten Tag sah ich wieder das gleiche und auch am folgenden. Nun wollte ich kühner werden und nahm mir vor, ihr morgen früh unauffällig zu folgen!

Am nächsten morgen kletterte ich bereits gegen viertel vor sechs aus meinem Fenster und sprang vom Vordach auf den Hof. Ich hoffte, dass niemand im Haus mein Kletterkunststück vernommen hatte - aber es blieb ruhig. So verbarg ich mich hinter einer kleinen Mauer und beobachtete den Hauseingang Marias. Anscheindend ging sie heute Morgen aber nicht ihren üblichen Weg und ich wollte schon enttäuscht abdrehen, als sich plötzlich ihre Haustüre öffnete. Aus einer Entfernung von etwa 10 Metern konnte ich sehen, dass sie wieder diesen Korb trug. Ihr Sommerkleid schwang um ihre Beine und sie sah bezaubernd darin aus. Sie schritt ihres Weges in Richtung der Olivenhaine und hatte sich recht schnell beträchtlich vom Dorf entfernt. Ich folgte ihr stets nach, wobei sie mich nicht bemerkte. Gut einen Kilometer von unserem Ort entfernt hielt sie an einem Bach an, welcher sich in dieser Entfernung seinen Weg rund um unser Provinznest schlängelt. Wir spielten als Kinder recht oft dort, was durchaus Gefahren in sich barg. Der Bach war klar und sauber, jedoch auch (für ein Kind) von beträchtlicher Tiefe. An manchen Stellen war sein Wasserfluss sehr langsam und so war er auch geeignet darin ein Bad zu nehmen. Aus dem Dorf tat dies jedoch niemand, da sich so etwas nach Sicht der Bewohner nicht gehörte.

Gespannt darauf, was nun passierte, versteckte ich mich hinter einigen Büschen und beobachtete, was Maria nun anstellen würde. Sie legte in diesem Moment ihren Korb ab und blickte sich einmal um. Für einen Moment dachte ich, dass sie mich entdeckt hatte, aber dem war anscheinend nicht so. Jedenfalls zog sie sich daraufhin ihr Kleid über den Kopf und ich sah, dass sie nichts darunter trug. Langsam stieg sie in das frische Wasser des Baches und spielte mit dem selbigen hingebungsvoll. Dies war ein herrlicher Anblick und am liebsten wäre ich mit zu ihr in die Fluten gestiegen. Weiter verblieb ich regungslos in meinem Versteck, als plötzlich eine andere Person den Ort der Handlung betrat. Es war Guiseppe, dem der grösste Hof des Ortes gehörte und der ein reicher Mann war. Er befand sich am Ufer und schien Maria einige unschöne Worte an den Kopf zu werfen. Ich konnte nicht alles verstehen - schloss aber aus den Wortfetzen, dass die beiden sich nicht zum ersten Mal hier morgens trafen. Guiseppe war schon ein Schlingel, wenn man bedachte, dass er eine Frau und vier Kinder hatte.
Jedenfalls schienen sich Maria und Guiseppe zu streiten. Maria, die sich noch im Wasser befand, gestikulierte wild und Guiseppe tat es ihr gleich. Dabei hörte ich auch immer wieder Wortfetzen ihrer Unterhaltung. Jedenfalls endete das Ganze damit, dass Guiseppe ihr Kleid aufhob und damit recht schnell und wohl wutentbrannt verschwand. Maria sah ob dieses Umstandes recht unglücklich aus, denn sie als sie aus dem Wasser kam, hatte sie nichts, womit sie sich wieder ankleiden konnte. In ihrem Korb befand sich anscheinend nur ihr Handtuch.....Dieses nahm sie heraus und begann sich abzutrocknen. Einige Male blickte sie in die Richtung, wohin Guiseppe entschwunden war - doch dieser war mittlerweile nicht mehr zu sehen. Und wie der Zufall es so wollte musste ich gerade in diesem Moment niesen. So bemerkte Maria natürlich, dass sie nicht alleine war und sie entdeckte mich....

Ihr Handtuch hielt sie vor ihre geheimste Stelle und sie begann nun mit mir zu schimpfen. Schuldbewusst begab ich mich zu ihr, wobei ich allerdings sagen muss, dass ihr Geschimpfe recht ansprechend war. Ihre grossen Brüste wippten dabei immer auf und ab und ich hätte gerne einmal danach gegriffen. Jedenfalls endete ihre Schimpf-Kanonade recht bald und sie gab mir zu verstehen, dass sie verzweifelt sei. Zum einen hatte sie wohl ein Verhältnis mit Guiseppe gehabt, welches gerade beendet worden war. Zum anderen wusste sie nicht, wie sie wieder ins Haus gelangen sollte, da sie ja vollständig nackt war. Als echter Kavalier sagte ich, dass ich ihr helfen würde. Zunächst einmal suchten wir nach einem geeigneten Versteck, wo sie sich verbergen konnte, bis ich ihr neue Kleidung besorgt hatte. In Frage kam hierbei nur die alte Scheune, welche sich etwa 400 Meter von uns befand. Diese wurde nicht mehr benutzt und sollte in Bälde abgerissen werden. Für den Weg dorthin lieh ich Maria mein Unterhemd (wir Männer trugen im Sommer stets nur weisse Unterhemden) und unten bedeckte sie sich, indem sie das Handtuch um die Hüften band.

So gingen wir zur Scheune und blickten uns immer wieder um, da wir eine Begegnung mit jemandem anderen aus dem Dorf unbedingt vermeiden wollten. Zumeist befand ich mich hierbei hinter Maria, was einen nicht ganz so edlen Grund hatte. Das Handtuch war nämlich nicht besonders gross und so hatte sie es hinten zusammengebunden. Dies hatte zur Folge......naja, Ihr könnt es Euch schon denken. Jedenfalls kamen wir nach einigen (für mich sehr erfreulichen) Minuten an der Scheune an und wir beiden verschwanden darin. Maria zog sich das Unterhemd wieder aus (welch ein Anblick) und gab es mir zurück. Dann verschwand sie in eine dunkle Ecke der Scheune - gab mir vorher aber noch den Schlüssel ihrer Behausung. Nun beeilte ich mich und rannte so schnell ich konnte zurück zum Dorf. Verstohlen schlich ich mich in ihr Haus und suchte dort nach einem passenden Kleid. Hierbei öffnete ich einige ihrer Schränke und konnte einen Blick in ihre Habseligkeiten werfen. Für einen jungen Mann aus der Provinz befanden sich unter ihren Sachen einige sehr sündhafte Stücke in Form von Dessous und sonstigem. Ich griff jedoch recht schnell eines ihrer Sommerkleider und begab mich zurück auf den Weg in Richtung Scheune.

Als ich dort ankam überraschte mich, dass das Tor offen stand, welches Maria doch vorher verschlossen hatte. Zudem vernahm ich Stimmen aus dem Inneren.......So trat ich ein und war doch recht irritiert ob des Bildes, welches sich mir bot. Maria, die weiterhin völlig unbekleidet war, lag in den Armen Guiseppes und ihr schien es Vergnügen zu machen, was er dort so mit ihr anstellte. Der Bauer selber war nicht entkleidet und das Sommerkleid, welches er eben "entwendet" hatte, lag auf dem Boden der Scheune. Als Maria mich erblickte lachte sie mich an und auch Guiseppe schien meine Anwesenheit nicht zu stören. Sie liess einen Moment von ihrem Liebhaber (das schien er ja zu sein) ab und kam auf mich zu. Bei mir angelangt legte sie ihre Arme und meinem Hals und schmiegte sich ganz eng an mich. Dabei hauchte sie mir ins Ohr, dass sie auch genug für zwei Männer hätte und begann damit an meinem Ohr zu knabbern. Guiseppe lachte und meinte, dass ich doch nun zeigen könnte, ob ich auch ein richtiger Mann sei und sowohl er, als auch Maria begannen heftigst zu lachen.

Ich persönlich fand die Situation alles andere als lustig. In mir wogten Gefühle aus Eifersucht, Verlegenheit und Enttäuschung, denn ich glaubte, dass ich ein wenig in Maria verliebt sei. Eben noch hatte sie meinen Beschützerinstinkt geweckt und ich hatte viel für sie riskiert und nun schien sich zu erweisen, dass es stimmte, was man im Dorf über sie erzählte. Sicherlich hätte ich gerne mit ihr Amore gemacht - aber gemeinsam mit Guiseppe, diesem fast 50jährigen Bauern mit seinen groben Händen, grossem Bauch und lichten Haupthaar....? Nein, ich liess Marias Sachen fallen und lief voller Enttäuschung zurück zu unserem Haus.

Die Tage vergingen, ohne das ich etwas von Maria sah. Ich beobachtete sie auch nicht mehr und hielt mich von ihr fern. Immer wieder musste ich daran denken, wie sehr sie mich enttäuscht hatte. Andererseits wünschte ich mir sehr mit ihr zusammen zu sein, denn sie war die schönste Frau, die ich jemals gekannt hatte.

So ging ich eines Abends zum Bach genau an die Stelle, wo ich sie damals beobachtet hatte. Dort setzte ich mich hin, schaute in das klare Wasser und dachte nach. Auf einmal vernahm ich Marias Stimme hinter mir, die sagte, dass sie sich bei mir entschuldigen wolle. Maria setzte sich neben mich und meinte, dass sie sicherlich keine Frau der Tugend sei, aber ich könnte dies noch nicht verstehen. Maria meinte, dass sie es sehr gerne gehabt hätte, wenn ich damals bei ihr in der Scheune geblieben wäre. Bei Guiseppe ginge es ihr nur ums Geld und bei mir wäre das ganz etwas anderes, meinte sie. Dabei führte sie meine Hand in den Ausschnitt ihres Sommerkleides und fragte, ob ich fühlen könnte, wie ihr Herz schlägt. Und so war es um mich geschehen und ich erlag ihren Reizen. Wir liebten uns sowohl im Gras am Bach, als auch im kühlen Nass.

Natürlich blieb unser Verhältnis nicht geheim im Dorf und nach etwa einem halben Jahr zogen Maria und ich gemeinsam nach Rom, wo wir uns Arbeit suchten. In diesem Zeitraum eines Jahres blieb mir die schöne Maria treu, was mir sehr wichtig war. Sie arbeitete in einer Wäscherei und ich war als Verkäufer in einem Gemüseladen tätig. Eines Tages nun hatte ich etwas früher frei und wollte Maria in der Wäscherei abholen und so überraschen. Diese Wäscherei war mir recht sympathisch, denn dort arbeiteten nur Herren, welche ich nicht als Konkurrenz betrachtete. Der Besitzer war ein Mann rundlicher Statue und etwa 50 Jahre alt. Neben Maria beschäftigte er noch einen recht mageren und kleinen Mann von etwa 30, der für das Ausfahren der Wäsche zuständig war.

Ich war es gewohnt den Hintereingang zu benutzen, zumal man vorne nur nach Betätigen der Klingel in die Wäscherei gelangen konnte. So trat ich ein und ging durch den Flur in Richtung der Arbeits- und Trockenräume. Ich hörte bei Betreten des Trockenraumes einige Laute und wollte schon Maria mit einem Ruf begrüssen, als ich intuitiv inne hielt und mich zunächst hinter den Tüchern und sonstigem was sich auf den Leinen befand verbarg. Dann riskierte ich einen Blick und traute meinen Augen kaum......

Meine Maria hatte nur noch ihr weisses Kopftuch auf und war ansonsten vollkommen entkleidet. Aber nicht nur dies - sie befand sich in innigem Liebesspiel mit dem Besitzer und dem Fahrer und es schien ihr wirkliche Freude zu machen. Ich machte auf dem Absatz kehrt, wobei die Drei mich wohl bemerkt hatten. Maria kam mir sofort hinterher, flehte mich an, sprach von einem Missverständnis und, und, und, und.......Ich aber ging meines Weges und verliess noch am selben Tag jene Frau, die für mich fortan die schönste war, die ich je besessen hatte.

In verschiedenen Städten, darunter Mailand und Turin, nahm ich unterschiedlichste Stellungen an bis mich die Nachricht erreichte, dass meine Grossmutter gestorben war. Mein Grossvater war schon zwei Jahre früher von uns gegangen und so sah ich mein Heimatdorf nach inzwischen acht Jahren, welche vergangen waren, wieder. Da meine Schwester mittlerweile in Zürich wohnte beschloss ich den kleinen Hof meiner Grosseltern zu übernehmen. Vielleicht hatte ich hierbei auch die Hoffnung, dass ich Maria wiedersehen würde.

Seit dieser Zeit lebe ich wieder in unserem vergessenen Nest und ich habe Maria nie wiedersehen dürfen. Die Geschichte mit ihr ist nun schon 45 Jahre her und das Haus ihrer Grosseltern nebenan steht schon lange nicht mehr. Meiner Frau und meinen zwei Kindern habe ich nie von dieser Geschichte erzählt, obschon es mir manchmal vorkommt als sei es gestern gewesen. Wenn ich bei uns am Bach sitze dann hoffe ich heute noch manchmal, dass plötzlich hinter mir Maria steht und alles wieder von vorne beginnen würde. Doch ich bin nun schon ein alter Mann (zumindestens fühle ich mich so) mit meinen fünfundsechzig Jahren. Aber vor meinem geistigen Auge sehe ich sie immer noch mit ihren langen wehenden Haaren und ihrer unbekümmerten Art. Obschon oder weil ich mit ihr nur so kurz zusammen war ist sie die Liebe meines Lebens........Heute frage ich mich oft, ob auch ihr die Liebe ihres Lebens war.....Erfahren werde ich es wohl nie.....